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Hanjia-Hutong
Geburtsort der Pekingoper während Qing-Dynastie bekannteste Rotlichtviertel in Peking.
In den vergangenen Jahrhunderten ist die Gegend rund um das Qianmen-Tor immer wieder Zeuge von wichtigen historischen Ereignissen geworden.
Der Hanjia-Hutong liegt im Westen der Qianmen-Hauptstraße und war ein Teil des Bada-Hutongs (ein bekannte Rotlichtmilieu in alter Peking). Die Gasse erhielt ihren Namen zu Ehren des Qing-Gelehrten und Hutong-Bewohners Han Yuanshao, dessen literarisches Talent ihn zu einem Günstling des Kaisers Kang Xi gemacht hat. Ein Arm des Liangshui-Flusses floss einst ebenfalls durch die Gegend und bildete beim Hutong einen kleinen Teich. Deswegen hieß die Gasse auch bis 1965 Hanjia Tan, wobei das verlorengegangene "Tan" auf Chinesisch "Teich" bedeutet. Der 80-jährige Zhang, der im Hutong geboren und aufgewachsen war, kann dies bestätigen: "In der Mitte der Straße gab es einen Brunnen, der vielleicht ein Übrigbleibsel des Teichs war", sagte er. Allerding sei im vergangen Jahr auch dieser Brunnen entfernt worden.
Während es so aussieht, als wüsste keiner der heutigen Bewohner mehr so genau, in welchem Haus Han einst gewohnt hat, so ist doch ein anderer Teil der Geschichte im kollektiven Gedächtnis sehr stark verwurzelt. Die Straße wurde nämlich während der späten Qing-Dynastie und der Zeit der chinesischen Republik zum bekanntesten Rotlichtviertel der ganzen Stadt.
Geschichte der Hurenhäuser
Zhang erinnert sich daran, wie er in seiner Jugend häufig Freier hat kommen und gehen sehen. Die Bordelle waren zu jener Zeit noch immer geöffnet. "Der Name des Hurenhauses war oft auf ein kleines Kupferschild bei der Türe graviert", erzählt Zhang. "Nach 1950 wurden sie aber alle geschlossen." Zu jener Zeit waren in Peking die Prostituierten in verschiedene Güteklassen eingeteilt worden. Die gutaussehenden und gut gebildeten Frauen arbeiteten normalerweise im Hanjia-Hutong, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts insgesamt etwa 20 Etablissements beherbergte. Davon ist heute allerdings wenig übrig geblieben.
Ursprünglich war der Hutong ein Treffpunkt für Operndarsteller und nicht für Prostituierte. Dies lag teilweise an den Restriktionen für letztere während der Qing-Dynastie. Doch ab 1900, als sich die Qing-Dynastie dem Ende zuneigte, wurden solche Restriktionen aufgehoben, was dazu führte, dass zahlreiche Bordelle entstanden.
Als Yuan Shihkai, Führer der Nördlichen Kriegsherren und der erste Präsident der Republik China, an der Macht war, erhielten seine Berater hohe Löhne. Sie betrachteten Hanjia als einen Ort, den man zur "Unterhaltung" aufsuchen konnte. Auch während der japanischen Besetzung blieb der Hutong das Drehkreuz der Spaßindustrie. Die Bordelle trugen damals übrigens noch immer eine sehr alte Bezeichnung: Qing Yin Xiao Ban (Kleine Gesangsstuben). Der Name legt nahe, dass die Frauen nicht bloß ihre Körper angeboten haben, sondern auch das eine oder andere Lied für ihre Gäste gesungen haben.
Klugerweise haben auch Restaurants und Teehäuser in den Gassen angefangen, ein Geschäft zu machen. Eine 60 Jahre alte Frau, die in der Hausnummer 21 wohnt, erklärt, dass ihr Haus einst ein Teehaus war, welches sich auf gebratenes Essen spezialisiert hatte. Von außen sieht es aus wie ein zweistöckiges Gebäude, aber das Innere gleicht einem ganz normalen Siheyuan, also einem typischen Pekinger Wohnhaus. Der Originalbau aus Holz wurde nicht bis in die Gegenwart erhalten. Alles musste vor fünf Jahren aus Stein erneuert werden. "Das Innere hat sich verändert, aber die Außenmauern sind noch immer die gleichen", erklärte die Frau.
Ein anderes zweistöckiges Haus mit der Nummer 27 wird von einer 50-jährigen Frau namens Zhao bewohnt, die nach einigem Zögern zugibt, dass dieser Ort einmal ein Freudenhaus war. "Das Originalhaus war aus Holz. Es wurde für eine Erneuerung abgerissen", erklärte sie. "Aber die Architektur des Gebäudes wurde beibehalten." Nicht alle Anwohner können sich indes mit der lustvollen Vergangenheit des Hutongs abfinden. "Hören Sie nicht auf das, was die Leute hier erzählen", meint etwa ein 50-Jähriger namens Han. "Hier gab es niemals Bordelle!"
Geburtsort der Pekingoper
Der Hutong gilt auch als Geburtsort der Pekingoper. Im Jahre 1790 kam eine Operngruppe namens San Qing Ban den weiten Weg von Hangzhou nach Peking, um den 80. Geburtstag des Kaisers Qian Long zu feiern. Die Truppe wurde von dem bekannten Schauspieler Gao Langting angeführt. Dieser Besuch spielte eine wichtige Rolle bei der endgültigen Etablierung einer eigenständigen Pekingoper. Dass die Truppe gerade im Hanjia-Hutong lebte, ist indes kein Zufall: Bereits 200 Jahre zuvor hatte der Theaterkritiker Li Yu dort sein eigenes Haus gebaut, was den Hutong langfristig zu einem Anziehungspunkt für Operndarsteller gemacht hat.
Bevor diese Gruppe nach Peking gekommen war, reisten die Darsteller aus dem ganzen Land an. Es gab keine Oper, die für Peking typisch war, so wie wir das heute kennen. Doch der Kaiser fand an den ausgefeilten Texten und den lieblichen Liedern der Besucher gefallen, so dass die Truppe längere Zeit in der Stadt blieb, und dabei ihren Stil weiter verfeinerte. Dieser neue Stil hat das geschaffen, woraus die moderne Pekingoper entstand.

























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