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Bevölkerung in Tibet - Gesichter Tibets
Tibet hat die geringste Bevölkerung und ist am spärlichsten besiedelt unter Chinas Provinzen und autonomen Gebieten.
Nach einer chinesischen Volkszählung im Jahr 2000 leben im Autonomen Gebiet Tibet (chinesisch: 西藏自治区) 2.427.168 Tibeter (chinesisch: 藏族), 158.570 Han-Chinesen und 30.591 Angehörige andere Nationalitäten wie der Hui (chinesisch: 回族), Monba (chinesisch: 门巴族), Deng/Dengba, Sherpa (chinesisch: 夏尔巴人), Thami, Lhoba (chinesisch: 珞巴族), Naxi (chinesisch: 纳西族), Bai (chinesisch: 白族), Uiguren (chinesisch: 维吾尔族) und Mongolen (chinesisch: 蒙古族). Die meisten Tibeter sowie die Massen der Menba-, der Luoba- und der Naxi-Nationalität im Autonomen Gebiet Tibet sind Gläubige des Lamaismus. Zudem bekennen sich auch viele Tibeter zum Islam und Katholizismus.
Die Schätzungen der tibetischen Exilregierung ergeben andere Zahlen. Nach ihren Schätzungen leben im Hochland von Tibet heute 6 Millionen Tibeter und ca. 7,5 Millionen Chinesen. In allen Städten Tibets seien heute Han-Chinesen bereits in der Mehrheit. die tibetische Exilregierung bezieht sich dabei jedoch auf das Gebiet "Großtibet", welches auch Teile der Provinzen Qinghai (chinesisch: 青海), Sichuan (chinesisch: 四川), Yunnan (chinesisch: 云南) und Gansu (chinesisch: 甘肃) beinhaltet.
Da die tibetischen Zahlen jedoch eher auf Schätzungen beruhen und im Gegensatz dazu davon auszugehen ist, dass die chinesischen Angaben der Propaganda unterliegen, ist damit zu rechnen, dass jeweils beide Bevölkerungszahlen nicht ganz korrekt sind und die Wahrheit vermutlich irgendwo in der Mitte liegt.
In Lhasa zeigt sich deutlich eine anhaltende Verschiebung der Bevölkerungsstruktur: Ein Grossteil der Stadtbevölkerung von Lhasa sind bereits Han-Chinesen. Tibet zählt auch heute noch zu den ärmsten Regionen Chinas. Besonders schlimm ist die Situation in den ländlichen Gebieten, in denen 85 Prozent der Tibeter leben. Dort ist vom Wirtschaftsboom nicht viel zu spüren.
Das Autonome Gebiet Tibet ist das bevölkerungsärmste Gebiet mit der geringsten Bevölkerungsdichte in China. Die Bevölkerungsdichte betrug im Jahr 1990 im Durchschnitt knapp zwei Menschen pro Quadratkilometer. Ende 1994 betrug die Bevölkerungszahl Tibets 2,32 Mio.. Davon waren 2,236 Mio. Tibeter (96,4%), 66 000 Han (2,8%) und 18 000 (0,8%) Angehörige anderer nationaler Minderheiten. Die tibetische Nationalität ist eine der ältesten Nationalitäten Chinas.
Gesichter Tibets
Seit 1970 liegen die Geburtenziffer und die natürliche Wachstumsrate der Bevölkerung im Autonomen Gebiet Tibet über dem Landesdurchschnitt. Von 1980 bis 1990 stieg die Zahl der Tibeter dort um 309 800, eine Wachstumsrate von 17,34 Promille, 2,64 Promille höher als im ganzen Land. In den letzten knapp zehn Jahren wuchs die Bevölkerung in Tibet jährlich durchschnittlich 38 000 Menschen. Gleichzeitig stieg das Gesundheitsniveau der Bevölkerung in Tibet schnell.
Seit Beginn der 70er Jahre wird in China die Politik der Familienplanung durchgeführt, deren Ziel die Ein-Kind-Familie ist. Für Tibet jedoch gilt eine Sonderregelung. Nur die in Tibet beschäftigten Kader, Arbeiter und Angestellten der Han-Nationalität sind an die Vorschriften der Familienplanungspolitik gebunden. Seit Anfang 1984 propagiert die Regierung des autonomen Gebiets allerdings auch eine Familienplanung bei den tibetischen Kadern und Angestellten sowie bei der Stadtbevölkerung. Ziel ist hier die Zwei-Kinder-Familie. Die Tibeter, die von dieser Forderung betroffen sind, machen etwa 12% der Gesamtbevölkerung aus. Bei der Durchführung der Familienplanung hält man am Prinzip der Freiwilligkeit fest. Zwangsabtreibungen sind verboten. Auf die Bauern und Hirten, die 88% der Gesamtbevölkerung ausmachen, treffen die Vorschriften der Familienplanung nicht zu. Sie werden über Methoden der Empfängnisverhütung sowie über die Gesundheitsvorsorge für Schwangere und die richtige Pflege und Ernährung der Kinder aufgeklärt. Das dabei verfolgte Ziel ist eine bessere Qualität der Bevölkerung. Die Gesundheitspflegeorgane der Regierung stellen den Bauern und Hirten, die freiwillig Maßnahmen zur Geburtenkontrolle ergreifen wollen, dafür sichere und zuverlässige Mittel zur Verfügung.
Gegenwärtig liegt die Geburtenrate der Bevölkerung des autonomen Gebiets bei über 23 Promille, die Wachstumsrate liegt bei über 15 Promille. Um die Gesamtbevölkerungszahl zu beschränken, will die Regierung des Autonomen Gebiets Tibet eine Wachstumsrate von nicht mehr als 16 Promille erreichen.
In Tibet leben 45% aller Tibeter Chinas sowie Angehörige von weiteren Nationalitäten, darunter Moinba, Lhoba, Han, Hui sowie die Deng- und Sherpa-Menschen. Die tibetische Sprache gehört zur tibeto-birmanischen Sprachgruppe der sinotibetischen Sprachen. Verbreitet ist sie in drei Dialekten, nämlich Waizang, Kam und Amdo.
Die meisten Tibeter beschäftigen sich mit Ackerbau und Viehzucht. Von den Stadtbewohnern sind viele in handwerklichen Berufen sowie in Industrien und Handel tätig. Die Konfession der Tibeter ist der tibetische Buddhismus. Die Tibeter sind offen und temperamentvoll, sie singen und tanzen gern. Ihre Kleidung besteht aus einer langärmligen kurzen Jacke aus Seide oder Baumwollstoff und einem weiten mantelähnlichen Kleid, das um die Hüfte mit einem bunten Tuch zusammengehalten wird. Die Frauen tragen meistens ein langes Kleid ohne Ärmel aus grobem Wollstoff. Verheiratete Frauen schnallen bunte Gürtel um die Taille. Männer und Frauen tragen Zöpfer und Schmuck. Die Art der Bekleidung ist von Gegend zu Gegend etwas verschieden.
Die Hauptnahrung der Tibeter auf dem Land ist Zanba, ein geröstetes Mehl aus Hochlandgerste oder Erbsen, das zusammen mit Tee zu sich genommen wird. Beliebt sind vor allem Buttertee und Milchtee sowie Wein aus Qingke-Gerste. In den Weidegebieten wird viel Rind- und Hammelfleisch gegesssen. Geändert haben sich im Lauf der Zeit die Bestattungsrituale. Waren früher Erdbestattungen üblich, so sind es heute Feuer- und Wasserbestattungen. Außerdem gibt es noch die sogenannte „Himmlische Bestattung“, bei der der Leichnam in die Berge gebracht und an Geier verfüttert wird.
Hauptsächlich im Gebiet Moinyü im Süden Tibets leben die Angehörigen der Moinba-Nationalität, ein seit langem auf dem tibetischen Hochland beheimatetes Volk. Ein Teil von ihnen lebt verstreut auch in den Kreisen Medog, Nyingchi und Co Nag. Die Moinba haben eine eigene Sprache, die zur tibeto-birmanischen Sprachgruppe der sinotibetischen Sprachen gehört. Es gibt große Dialektunterschiede. Eigene Schriftzeichen haben die Moinba nicht. Sie verstehen das Tibetische und benutzen es allgemein. Neben dem Ackerbau und der Viehzucht widmen sie sich verschiedenen handwerklichen Tätigkeiten und der Jagd. Die Männer und Frauen tragen rote Kaftane aus Pulu (Schafwollstoff) und kleine braune Mützen mit hochgeklappbarem Rand, der vorne geschlitzt ist, oder schwarze Filzhüte mit Jakfellbesatz. Die Frauen schmücken sich gern mit Armbändern und Ohrringen, die Männer tragen an der Hüfte ein Hackmesser. Die Hauptnahrungsmittel der Moinba sind Reis, Mais, Buchweizen und Hirse. Die meisten Moinba bekennen sich zum tibetischen Buddhismus, doch in manchen Gebieten gibt es noch einen alten Geister- und Hexenglauben. Ihre Toten bestatten die Moinba in der Regel im Wasser, man kennt aber auch Erd- und Feuerbestattungen sowie die „Himmlische Bestattung“.
Die Lhoba-Nationalität ist vor allem in der Gegend Lhoyü im Süden Tibets verbreitet. Ein Teil lebt verstreut in den Gebieten Maimling, Medog, Zayü, Lhünze und Nang Xian.
Auch die Lhoba-Sprache gehört zur tibeto-birmanischen Sprachgruppe der sinotibetischen Sprachen. Da sie keine eigenen Schriftzeichen haben, benutzen die Lhoba die tibetische Schrift. Sie beschäftigen sich hauptsächlich mit der Landwirtschaft und verstehen es meisterhaft, eine Vielzahl von Dingen aus Bambus zu flechten. Die Männer tragen normalerweise schwarze Schafwollwesten und Hüte aus Bärenfell oder aus Lianen geflochtene Kopfbedeckungen. Die Frauen tragen kurze Blusen mit runden Kragen und engen Ärmeln, knielange Wollröcke und Wickelgemaschen an den Unterschenkeln. Mais und Hirse sind die Hauptgerichte, außerdem ißt man Reis und Buchweizen.
Die in Tibet lebenden Angehörigen der Hui-Nationalität sind zumeist Nachkommen von Hui, die während der Qing-Zeit (1644-1911) aus Gansu, Shaanxi, Qinghai, Sichuan, Yunnan und anderen Gegenden nach Tibet gezogen sind. Sie verteilen sich auf Lhasa, Xigaze, Qamdo und andere Gemeinden. Die meisten Hui beschäftigen sich mit Handel und Handwerk, vor allem mit der Schlachterei. Sie bekennen sich zum Islam und bedienen sich bei religiösen Angelegenheiten der Urdu-Sprache und des Arabischen, während sie sonst tibetisch bzw. chinesisch sprechen. In Lhasa und einigen anderen Orten haben die Hui Moscheen.
Die Angehörigen der Deng leben hauptsächlich im Kreis Zayü im Gebiet Nyingchi. Ihre Sprache gehört zur tibeto-birmanischen Sprachgruppe der sinotibetischen Sprachen. Eine eigene Schrift kennen die Deng nicht. Noch heute benutzen sie die uralte Methode, sich wichtige Dinge mit Hilfe von Kerbhölzern und Knotenschnüren zu merken.
Die Deng glauben an einen Teufel, doch nicht an einen Gott. Sie wohnen in zweistöckigen Häusern, in denen sie unten Haustiere halten. Die Frauen tragen Seidenröcke, gehen aber barfuß. Sie schmücken sich mit trommelförmigen Ohrringen aus Silber und mit Perlen oder Silberschmuck am Hals. Die Männer tragen schwarze Kopftücher und Silberohrringe. Vor den 50er Jahren lebten die Deng in abgeschiedenen Berggebieten, wo sie Brandrodung trieben, wildwachsende Pflanzen und Früchte sammelten und auf die Jagd gingen. Inzwischen sind sie mit Hilfe der Regierung in Gegenden mit besseren Lebensbedinungen gezogen.
Die Angehörigen der Sherpa leben vor allem bei der Grenzhandelstelle Zham und in der Gegend von Zhentang im Kreis Dinggye. Es gibt in Tibet vier Sherpa-Clans, und es ist nicht erlaubt, innerhalb eines Clans zu heiraten. Die Sherpa bekennen sich zum Buddhismus. Sie wohnen in zweistöckigen Holzhäusern. Männer und Frauen tragen weiße und schwarzumränderte Wollmäntel mit kurzen Ärmeln. Die Sherpa lieben Gesang und Tanz, deren Stil an Gesänge und Tänze in Nepal und Pakistan erinnert.
Die Sitten und Gebräuche der Bevölkerung in Tibet werden respektiert und geschützt. Die tibetische Nationalität und andere nationale Minderheiten haben das Recht und die Freiheit, auf ihre eigene Weise zu leben und nach ihren eigenen Sitten und Gebräuchen soziale Aktivitäten zu unternehmen. Einerseits werden ihre Traditionen bei Kleidung, Nahrung und Wohnung gewahrt, andererseits haben sie auch in verschiedenen Lebensbereichen neue gesunde Lebensweisen entwickelt, die die moderne Zivilisation verkörpern. Im Autonomen Gebiet Tibet werden traditionelle Feste und Feiern - wie das Neujahrsfest nach dem traditionellen tibetischen Mondkalender, das Saghadawa-Fest, das Whankuo-Fest und das Sheton-Fest sowie die religiösen Feierlichkeiten der verschiedenen Kloster erhalten und gepflegt.


























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