China Reisen » China Wissen > Bevölkerung > Minderheiten > Die Daur
Völker Chinas - die Daur
Am fruchtbaren Flusslauf des Nen Jiang in der Provinz Heilongjiang im Nordosten Chinas leben die Daur.
Die Daur (chinesisch: 达斡尔族) oder auch Solonen (chinesisch: 索倫) beschäftigen sich vorwiegend in der Landwirtschaft aber auch mit Fischen und der Jagd. In der Gegenwart leben etwa 132000 Daur, die meisten im "autonomen Banner Morin Dawa der Daur" und dem "autonomen Banner der Ewenken" in der Stadt Qiqiha´er (chinesisch: 齐齐哈尔) in der Provinz Heilongjiang (chinesisch: 黑龙江) und in Tacheng (chinesisch: 塔城地区) in Xinjiang (chinesisch: 新疆).
Banner (chinesisch: 旗) sind Verwaltungseinheiten in den autonomen Gebieten der VR China. Ein autonomes Banner ist eine besondere Art Banner, das die Volksrepublik China aufgebaut hat. Es gibt drei autonome Banner, die sich alle im Nordosten der Inneren Mongolei befinden, jeweils mit einer bestimmten ethnischen, nicht-han-chinesischen oder nicht-mongolischen Mehrheit, die dort nationale Minderheit ist:
- Oroqenisches Autonomes Banner (chinesisch: 鄂伦春自治旗) für die Oroqen
- Autonomes Banner der Ewenken (chinesisch: 鄂温克族自治旗) für die Ewenken
- Autonome Banner Morin Dawa der Daur (chinesisch: 莫力达瓦达斡尔族自治旗) für die Daur
Nach einigen historischen Aufzeichnungen und fachlichen Untersuchungen könnten die heutigen Daur mit dem Volk der Kitan verwandt sein, welches im altertümlichen Nordchina gelebt haben soll. Die eigentliche Herkunft ist jedoch nicht nachgewiesen, so dass dies die Herkunft des Volksstamm mysteriös erscheinen läßt. Ihre Konzentration in unterschiedlichen Regionen könnte wie folgt hergeleitet werden: Ende der 80er Jahre des 17. Jahrhunderts sollten die Dahuren (chinesisch: wie die Daur auch genannt werden) zur Unterstützung des Westfeldzuges der Qing-Regierung, der den Putsch der Zhunger-Adligen in der Westmongolei niederschlagen sollte, aus dem Gebiet Butha, Provinz Heilongjiang im Nordosten Chinas. Diese Dahuren sollten eigentlich alle drei Jahre durch andere Truppen abgelöst werden. Im Frühjahr und im Herbst des 28. Regierungsjahrs des Qing-Kaisers Qianlong (chinesisch: 1763) wurden zwei Gruppen mit insgesamt 1000 Offizieren und Soldaten der Dahuren-Nationalität einschließlich ihrer Familienangehörigen vom Nordosten Chinas nach Xinjiang in Marsch gesetzt. Sie sollten in Hurgos, nördlich des Yili-Flusses stationiert werden. 1868 wurden sie ins Gebiet Tacheng umgesetzt.
Die Daur sind bekannt für ihre Liebe zum Hockey-Sport. Diese Sportart hat eine lange Geschichte, die bis in das altertümliche China zurückverfolgt werden kann. Bereits in der Tang-Dynastie (chinesisch: 618-907) wurde so etwas wie Fussball gespielt. Später hat das Nomadenvolk Kitan die Sportart in der Song-Dynastie (chinesisch: 960-1279) und auch in der Liao-Dynastie (chinesisch: 917--1125) gespielt und verbreitet. In den Regionen und Gebieten, die diese Dynastien umfassten, verschwand dieser Sport über die Jahrhunderte.
Bei den Daur ist die Tradition erhalten geblieben und wird heute als eine Art Folklore lebendig erhalten. In der Sprache der Daur heißt er Beikou. Wenn im Frühling die Erde bestellt und besät wird, spielen Daur in den Arbeitspausen Hockey, indem sie mit Holzstock einen Pferdkotball herumstoßen. Bei großen Feierlichkeiten werden Beikuo-Wettkämpfe veranstaltet, an denen Spitzenjungs aus jeweiligem Stamm teilnehmen. Besonders interessant sind Nachtspiele mit Feuerball. Im heißen Wettkampf fliegt der Ball mit bunter Flamme in der Luft zwischen den Schlägen. Mit der Entwicklung von Hockey in den letzten Jahren hat der autonome Banner Morin Dawa der Daur- die Heimat von Hockey - viele Spitzensportler für die chinesische Nationalmannschaft hervorgebracht.
Hockey ist auch in anderen Bereichen tief verwurzelt im Alltagsleben der Daur. Zur Hochzeit trägt die Braut einen schönen Hockeystock als Ausdruck der Liebe und Hoffnung für den Bräutigam. In der Sprache der Daur gibt es auch viele hockeybezogene Redewendungen, zum Beispiel: "Aus so ein üblem Holzstück lässt sich nur Hockeystock machen" bezieht sich zugleich auf eine schlechtes Holzstück und eine Person ohne Bestrebung, mit dem Spruch" Was ist noch von einem zu erwarten, der nicht einmal Hockey spielen kann" wird ein Versager verspottet.
Neben Hockey spielt der Schamanenglaube eine große Rolle im Leben der Daur. Das Wort Schamane bedeutet "verrückte und berauschte Person". Der Schamanenglaube der Daur ist durch Naturanbetung gekennzeichnet.
Die Daur hegen Hochachtung für jegliche Naturerscheinungen wie Blitz, Donner, Fluss, Holz, Feuer, Stein, Reh, Adler oder Vogel. Aus Ehrfurcht vor der schöpferischen Kräften der Natur glauben Daur an Pantheismus. Die daher notwendige Vermittlung zwischen den Gottheiten und den Menschen trauen die Daur Schamanen zu, die, von göttlichem Geist besessen, die heiligen Kräfte berufen sollen, um erkrankte Daur zu heilen und böse Geister zu vertreiben und abzuwenden. Aus diesem Grund genießen Schamanen großes Ansehen bei Daur. Viele Jahrhunderte lebten die Daur in einer ziemlich abgelegten Gegend Nordchinas, abgeschottet von anderen Menschengruppen. So blieb der Schamanenglauben für längere Zeit bei Daur erhalten.
Zu Festlichkeiten, Opferriten oder Krankheitsbehandlungen wird der Schamane berufen, der die Kernfigur im Leben der Daur bleibt. Bei jeglichem Ritual trägt der Schamane Ritenzeuge und pompöse Kleidung, die, mit Sinnbildern für verschiedene Wesen und Gegenstände versehen, vor bösen Geistern schützen und heilige Kräfte hervorrufen können. Das Schamanenkleid mit etwa einhundert Kupferspiegeln kann bis zu 75kg wiegen. Beim Ritual tanzt der Schamane mit Trommel und Schläger in den Händen umher. Die Trommel, so der Glaube, verfügt über die Macht, böse Geister zu vertreiben.

























Mit unserer interaktiven 
